Glockenbaustelle

Geschichte erleben und leben lassen!

WAS WÄRE EINE STADT OHNE GLOCKENGELÄUT?

Nicht nur zum Sonntäglichen Gottesdienst und Feiertagen, auch zu unvergesslichen und einzigartigen Momenten wie Hochzeiten, Taufen, Konfirmation, aber auch der Abschied von geliebten Familienangehörigen, ist der Klang der Glocke jedermanns Ohren bekannt.

Umso wichtiger ist es, diesen bekannten Ton nicht nur jetzt, sondern auch für die Zukunft zu bewahren.

 

 

DIE GESCHICHTE
der Lengefelder Glocken

Im Jahre 1629 beschaffte die Kirchgemeinde Lengefeld drei neue Glocken. Welches Geläut vorher im Kirchturm hing, liegt leider im Dunkeln der Geschichte. Diese drei neuen Glocken wurden sehr wahrscheinlich von den Gebrüdern Gabriel und Zacharias Hilliger in Freiberg gegossen. Hilliger war eine Gießerfamilie die über mehrere Generationen hinweg in Freiberg und Umgebung als Glocken- und Stückgießer (Kanonen) aktiv gewesen ist. Dieses Geläut wurden beim Umbau der Kirche 100 Jahre später übernommen und weiter genutzt, somit erklangen diese drei Glocken in unserer Stadt fast 240 Jahre lang.

Da eine der beiden größeren Glocken einen Sprung aufwies, wurden diese beiden Glocken 1868 von der Gießerei G.A. Jauck in Leipzig, eingeschmolzen und es wurde ein neues Geläut in Septimrippe für unsere Kirche gegossen.

 

Glocke

Gewicht

Durchmesser

Ton

Inschrift

1

1150kg

1300mm

Wir glauben all an einen Gott

2

700kg

1095mm

Wir glauben auch an Jesum Christ, seinen Sohn und unsern Herrn

3

350kg

870mm

Wir glauben an den heilgen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne

     

Zusammen mit der noch vorhandenen alten Hilliger Glocke von 1629, hatte die Lengefelder Kirche nun ein Geläut bestehend aus vier Glocken.

Nach dem Blitzeinschlag und Brand von 1883 wurde das Kirchengebäude näher untersucht und Konstruktionsmängel im Dachstuhl festgestellt, welche zu Rissbildung in den Umfassungsmauern führten und diese bis zu 25cm überhängen ließen. Eine Sanierung war nicht möglich und so wurde ein Neubau der Kirche geplant. Im Zuge der Bauarbeiten wurde auch die alte Hilliger Glocke eingeschmolzen und umgegossen um sie besser auf das Jauck- Geläut abzustimmen.

Die neue Glocke hatte ein Gewicht von 144kg und trug die Inschrift aus Markus 16:16 „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“ Bis 1917 blieb dieses Geläut so.

     

Im ersten Weltkrieg jedoch wurden die für die Kriegsführung dringend benötigten Metallreserven im damaligen deutschen Kaiserreich knapp. So beschloss man, alle Glocken aus Bronzelegierungen zu beschlagnahmen. Nur besonders wertvolle Glocken durften auf Antrag und Begutachtung in den Glockenstühlen verbleiben sowie eine kleine Läuteglocke. Oftmals wurden die Glocken noch in den Türmen zerschlagen und die Bruchstücke heruntergeworfen.

So wurden vom Lengefelder Geläut die beiden kleinen Glocken abgenommen und abgeliefert.

Diese beiden Glocken wurden 1922 von der Glockengießerei Schilling in Apolda nachgegossen, diesmal in Molloktav- Rippe.

 
     
 

Leider blieb auch dieses Geläut nicht lange unangetastet, 1942, im zweiten Weltkrieg verlangte man abermals von den Kirchgemeinden alle Glocken aus Bronze abzuliefern. Diesmal blieb unserer Kirche nur die 700kg schwere Glocke im Ton f´ erhalten. Sie befindet sich bis heute im Kirchturm.

1952 wurden von der Glockengießerei Schilling & Lattermann vier Eisenhartgussglocken beschafft. Gegossen wurden diese vier Glocken in Morgenröthe-Rautenkranz, da die Verarbeitung von Eisenlegierungen in Apolda nicht möglich war.

Sie bilden unser aktuelles Geläut, haben jedoch ihre Verschleißgrenze erreicht.

 

 

Geplante Baumaßnahmen

Wie bereits erwähnt, kommt aufgrund der massiven Verschleißerscheinungen nur eine Erneuerung der gesamten Läuteanlage in der Lengefelder Kirche infrage.

Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten ist es natürlich auch sinnvoll, sich um das „Drumherum“ Gedanken zu machen. Daher sind folgende Maßnahmen geplant.

 

- Restaurierung der alten Bronzeglocke von 1868 im Glockenschweißwerk Lachenmeyer in Nördlingen.

- Ergänzung des Geläutes durch Zuguss von drei neuen Bronzeglocken in den historischüberlieferten Tönen d´, a´ und c´´.

- konstruktive Ertüchtigung und Erneuerung des Läutebodens

- Erneuerung des Glockenstuhls und der Glockenjoche in Eichenholz

- Erneuerung der Läutemaschinen und der dazugehörigen Steuerung

- Restaurierung und Überholung des mechanischen Uhrwerkes

- Erneuerung des Uhrschlagwerkes

- Neubau des Uhrenschrankes mit Elektrik

- Erneuerung der Turmelektrik und Beleuchtung

- Putz und Malerarbeiten im gesamten Turminneren

- Sanierung bzw. Erneuerung der Treppenaufgänge und Geländer

- Evtl. Neuanstrich der Turmfassade

- Neuverlegung des Fußbodens im Erdgeschoss

     

Im Zuge der Arbeiten zieht das alte Uhrwerk an einen neuen Standort, etwa 8 Meter tiefer als jetzt, um es besser vor Staub und thermischen Belastungen zu schützen. Davon erhoffen wir uns mehr Ganggenauigkeit der Turmuhr. Das Uhrwerk kann dort in Zukunft von interressierten Besuchern besichtigt werden.

Außerdem ist angedacht in den ersten drei Ebenen des derzeit ungenutzten Turminneren, Räumlichkeiten für kleine Ausstellungen oder Ähnlichem einzurichten.

Damit schaffen wir auch für unseren Ort einen neuen Anziehungspunkt für Gäste.

     

Die Notwendigkeit das Lengefelder Geläut zu erneuern

   

 

Aufgrund der sich häufenden Ausfälle der Lengefelder Läuteanlage und des Allgemeinen Zustandes, vereinbarte der Lengefelder Kirchenvorstand einen Ortstermin mit dem Fachbeauftragten für Glockenwesen der Ev. Luth. Landeskirche Sachsen, Herrn Christian Schumann sowie mit dem Baupfleger des Regionalkirchenamtes Chemnitz, Herrn Olaf Rümmler.

Dieser Termin Fand am 5. Dezember 2016 statt. Das Gutachten der beiden Fachleute ließ nicht viel Gutes erahnen.

Die gesamte Anlage entspricht nicht den heutigen Sicherheitsstandards. Die Läutemaschinen sowie die gesamte Elektrik der Anlage sind überaltert und verschlissen. Starke Verschleißerscheinungen machen sich an den Lagern der Glockenjoche, an den Klöppelaufhängungen und an den Drehpunkten der Hämmer des Uhrschlagwerkes deutlich bemerkbar. Außerdem sind Verschleißerscheinungen und Korrosionsschäden an den Glockenjochen und am Stahlglockenstuhl festzustellen. Das alter der Bauteile des Glockenstuhls geht vermutlich auf die Entstehungszeit der Kirche zurück. Desweiteren gibt es in der Glockenstube selbst Sanierungsbedarf an Putz und Elektrik.

 

Eine Sanierung und Modernisierung des vorhandenen Geläutbestandes kommt aufgrund der begrenzten Lebensdauer der Eisenhartgussglocken nicht infrage.

Eisenhartguss wird bei Glocken als Ersatzlegierung bezeichnet. Er neigt durch seinen, im Vergleich zu Stahllegierungen, deutlich höheren Kohlenstoffanteil sehr stark zu Korrosion. Das Material beginnt dabei sich von Innen heraus in seiner Struktur zu zersetzen. Dieser Prozess lässt sich auch durch Anstriche oder ähnlichen Maßnahmen, nicht aufhalten. Daher ist die Haltbarkeit von Eisenhartgussglocken, je nach Witterungs- und Umwelteinflüssen auf im Schnitt 80 Jahre begrenzt.

 

 
     
     
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